Herstellerneutral & unabhängig Kein Werbedruck, keine Provision ✓
526 IT-Fachbegriffe IT-Glossar auf Knopfdruck ✓
Laufend aktualisiert Aktuelle IT-Themen aus der Praxis ✓
Von IT-Profis verfasst 20+ Jahre Branchenerfahrung ✓
Branchenwissen & Trends

PoE, PoE+ und PoE++: Power over Ethernet verstehen und die richtigen Switches auswählen

Warum die Wattzahl über den passenden Switch entscheidet.

Christian Knittel Christian Knittel 08. September 2026 7 Min Lesezeit
PoE (802.3af)bis 15,4 W am Switch (rund 12,95 W am Gerät), 2 Aderpaare, für IP-Telefone und einfache APs
PoE+ (802.3at)bis 30 W am Switch (rund 25,5 W am Gerät), für moderne WLAN APs und PTZ-Kameras
PoE++ (802.3bt)Type 3 bis 60 W, Type 4 bis 90 bis 100 W, alle 4 Aderpaare, für Multi-Radio-APs und Displays
PoE-Budgetbegrenztes Gesamtbudget je Switch: Summe aller Ports zählt, nicht nur die Leistung pro Port
KabelqualitätCat5e für PoE/PoE+, für PoE++ und lange Strecken besser Cat6
Vor dem KaufGesamtbudget, Kompatibilität, EoL-Status prüfen, bei Gebrauchtware Datenlöschung sichern

Kaum ein Begriff sorgt beim Switch-Kauf für so viel Verwirrung wie PoE. Zwischen PoE, PoE+ und PoE++ liegen erhebliche Leistungsunterschiede, die darüber entscheiden, ob ein Access Point, eine Kamera oder ein Telefon am Ende zuverlässig funktioniert oder eben nicht.

Dieser Beitrag erklärt die drei Standards im Detail, ordnet die wichtigsten technischen Grundlagen ein und zeigt, worauf Sie beim Kauf eines PoE-fähigen Switches konkret achten sollten.

Was ist Power over Ethernet eigentlich?

Power over Ethernet erlaubt es, Endgeräte gleichzeitig mit Daten und Strom über ein einzelnes Netzwerkkabel zu versorgen. Der Switch oder ein separater Injector wird dabei als Power Sourcing Equipment (PSE) bezeichnet, das Endgerät als Powered Device (PD). Diese Technik spart zusätzliche Stromverkabelung und vereinfacht die Installation von Access Points, IP-Kameras und Telefonen erheblich.

Die drei PoE-Standards im Überblick

PoE nach IEEE 802.3af, der ursprüngliche Standard

Der ursprüngliche PoE-Standard 802.3af liefert bis zu 15,4 Watt am Switch, wovon nach Kabelverlusten rund 12,95 Watt am Endgerät ankommen. Das reicht für einfache IP-Telefone und ältere, einfache Access Points aus.

PoE+ nach IEEE 802.3at, mehr Leistung für anspruchsvollere Geräte

PoE+ erhöht die verfügbare Leistung auf bis zu 30 Watt am Switch beziehungsweise rund 25,5 Watt am Gerät. Damit lassen sich moderne WLAN Access Points mit mehreren Funkmodulen sowie schwenkbare PTZ-Kameras zuverlässig versorgen.

PoE++ nach IEEE 802.3bt, für die leistungshungrigsten Anwendungen

Der Standard 802.3bt umfasst zwei weitere Leistungsstufen, häufig als Type 3 und Type 4 bezeichnet. Type 3 liefert bis zu 60 Watt am Switch, Type 4 sogar bis zu 90 oder 100 Watt, wovon je nach Klasse etwa 51 beziehungsweise 71,3 Watt am Gerät ankommen. Diese Leistungsklasse wird für Multi-Radio-WLAN-Geräte, große Displays und andere besonders leistungshungrige Anwendungen benötigt.

Tipp

Der Begriff PoE++ wird in der Praxis uneinheitlich verwendet. Fragen Sie beim Anbieter immer konkret nach Type 3 oder Type 4 nach 802.3bt, statt sich allein auf die Bezeichnung PoE++ zu verlassen.

Vergleichsgrafik der drei Power over Ethernet Standards PoE, PoE+ und PoE++
PoE, PoE+ und PoE++ unterscheiden sich deutlich in Leistung, Aderpaaren und typischen Endgeräten.

Technische Grundlagen: Power Classes, Aderpaare und Kabelqualität

Power Classes und die automatische Aushandlung

Bevor ein Endgerät mit voller Leistung versorgt wird, handeln Switch und Gerät automatisch eine sogenannte Power Class aus. Dieser Mechanismus verhindert, dass ein Gerät mehr Leistung erhält, als es tatsächlich benötigt, und schützt gleichzeitig ältere Endgeräte vor einer Überlastung.

Zwei versus vier Aderpaare

PoE und PoE+ nutzen für die Stromversorgung nur zwei der vier Adernpaare eines Netzwerkkabels. PoE++ setzt dagegen auf alle vier Paare gleichzeitig, wodurch sich die höhere Leistung mit geringeren Verlusten und weniger Wärmeentwicklung übertragen lässt.

Warum die Kabelqualität bei höherer Leistung wichtiger wird

Mit steigender PoE-Leistung wächst auch die Bedeutung der Kabelqualität. Während Cat5e für PoE und PoE+ in der Regel ausreicht, empfiehlt sich für PoE++ und lange Kabelstrecken der Umstieg auf Cat6, um Spannungsabfall und Erwärmung im Kabel gering zu halten.

PoE-Budget: warum nicht jeder Switch alle Ports gleichzeitig voll versorgen kann

Jeder PoE-fähige Switch verfügt über ein begrenztes Gesamtleistungsbudget, das auf alle aktiven Ports verteilt wird. Ein Switch mit 24 PoE++-Ports und hohem Anspruch auf jedem einzelnen Port kann sein Gesamtbudget schnell überschreiten, wenn tatsächlich alle Ports gleichzeitig mit voller Leistung arbeiten sollen. Prüfen Sie deshalb immer das Gesamtbudget des Switches, nicht nur die maximale Leistung pro Port.

PoE-Standards im Vergleich: Übersichtstabelle

Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:

Kriterium PoE (802.3af) PoE+ (802.3at) PoE++ (802.3bt)
Leistung am Switch bis 15,4 W bis 30 W bis 60 W oder 90 bis 100 W
Leistung am Gerät bis 12,95 W bis 25,5 W bis 51 W oder 71,3 W
Genutzte Aderpaare 2 von 4 2 von 4 4 von 4
Typische Geräte IP-Telefone, einfache APs moderne WLAN APs, Kameras Multi-Radio-APs, Displays

Welche Geräte benötigen welchen PoE-Standard?

PoE für einfache Endgeräte

Für IP-Telefone, einfache Single-Radio-Access-Points oder Türsprechanlagen reicht der Basis-Standard PoE meist völlig aus. Auch in Industrieumgebungen setzen viele Sensoren und Kameras auf diesen Standard, wie wir bereits in unserem Beitrag zu Cisco Industrial Ethernet Switches angesprochen haben.

PoE+ für moderne WLAN Access Points und Kameras

Moderne Dual-Band-Access-Points und schwenkbare Kameras benötigen in der Regel PoE+. Klassische Campus-Access-Switches wie die in unserem Beitrag zur Cisco Catalyst 2960 Serie beschriebenen Modelle bieten je nach Variante PoE oder PoE+.

PoE++ für leistungshungrige Multi-Radio-APs und Displays

Aktuelle WLAN-6- und WLAN-6E-Access-Points mit mehreren Funkmodulen, große digitale Displays oder leistungsstarke Multi-Sensor-Kameras benötigen häufig bereits PoE++, um alle Funktionen gleichzeitig nutzen zu können.

Worauf Sie beim Kauf eines PoE-fähigen Switches achten sollten

Gesamtes PoE-Budget statt nur maximaler Port-Leistung prüfen

Rechnen Sie den tatsächlichen Leistungsbedarf aller angeschlossenen Geräte zusammen und vergleichen Sie diesen mit dem Gesamtbudget des Switches, nicht nur mit der Leistungsangabe pro Port.

Kompatibilität zwischen Switch und Endgeräten sicherstellen

Ein PoE++-fähiger Switch versorgt ältere PoE- oder PoE+-Geräte in aller Regel problemlos mit der jeweils niedrigeren, ausgehandelten Leistung. Umgekehrt liefert ein reiner PoE-Switch jedoch nicht genug Leistung für ein PoE++-Gerät.

End-of-Life-Status berücksichtigen

Auch PoE-fähige Switches unterliegen einem Support-Lebenszyklus. Die allgemeinen Meilensteine dazu erklären wir in „EOL, EOS und End of Support erklärt“.

Zertifizierte Datenlöschung bei gebrauchten Switches

Gebrauchte Switches können noch VLAN- und Zugangskonfigurationen des Vorbesitzers enthalten. Achten Sie auf eine dokumentierte, zertifizierte Datenlöschung vor der Weitergabe.

Vierstufige Checkliste für den Kauf eines PoE-fähigen Switches
In vier Schritten zum passenden PoE-Switch, vom Leistungsbudget bis zur Datenlöschung.

Fazit

PoE, PoE+ und PoE++ unterscheiden sich vor allem in der verfügbaren Leistung und der Anzahl genutzter Aderpaare. Entscheidend für die richtige Wahl ist weniger die reine Standardbezeichnung als der tatsächliche Leistungsbedarf Ihrer Endgeräte und das Gesamtbudget des jeweiligen Switches.

Merke

Bestimmen Sie zuerst den tatsächlichen Leistungsbedarf aller geplanten Endgeräte, bevor Sie einen Switch nach seiner PoE-Klasse auswählen. Ein zu knapp bemessenes Gesamtbudget führt schneller zu Problemen als die einzelne Portklasse.

Gerne beraten wir Sie zur passenden PoE-Switch-Konfiguration für Ihre Access Points, Kameras oder sonstigen Endgeräte.

Passenden PoE-Switch gesucht?

IT-RESELL bietet geprüfte, getestete PoE-, PoE+- und PoE++-fähige Switches führender Hersteller, inklusive Beratung zum passenden Leistungsbudget.

Jetzt passenden PoE-Switch finden
  1. [1] IEEE Standards Association: 802.3af, 802.3at und 802.3bt Spezifikationsübersicht. standards.ieee.org, Zugriff: Juli 2026
  2. [2] Cisco Systems: PoE-Kompatibilitätsdokumentation. cisco.com, Zugriff: Juli 2026

Hinweis zu diesem Beitrag: Inhalte auf diesem Blog werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und von unserem Redaktionsteam recherchiert, fachlich geprüft und freigegeben.

FAQ

Häufige Fragen zu PoE, PoE+ und PoE++

Was ist der Unterschied zwischen PoE, PoE+ und PoE++?

PoE liefert bis 15,4 Watt, PoE+ bis 30 Watt und PoE++ je nach Typ bis 60 oder sogar bis 100 Watt am Switch. Zusätzlich nutzt PoE++ alle vier Aderpaare eines Kabels statt nur zwei.

Wie viel Leistung liefert ein PoE++ Port tatsächlich am Endgerät?

Je nach Type kommen am Endgerät rund 51 Watt (Type 3) oder rund 71,3 Watt (Type 4) an, nachdem Kabelverluste berücksichtigt wurden.

Kann ich ein PoE+ Gerät an einem PoE++ Switch betreiben?

Ja, moderne PoE++-Switches handeln automatisch die passende, niedrigere Leistungsklasse mit dem angeschlossenen PoE+-Gerät aus.

Was bedeutet PoE-Budget bei einem Switch?

Das PoE-Budget ist die insgesamt verfügbare Leistung, die ein Switch auf alle aktiven PoE-Ports gleichzeitig verteilen kann. Es kann niedriger sein als die Summe der maximalen Einzelport-Leistungen.

Welche Kabelkategorie brauche ich für PoE++?

Für PoE++ empfiehlt sich mindestens Cat6, besonders bei längeren Kabelstrecken, um Spannungsabfall und Erwärmung im Kabel gering zu halten.

Benötigen alle Cisco-Switches automatisch PoE?

Nein, PoE ist eine optionale Zusatzfunktion, die nur bei entsprechend ausgestatteten Switch-Modellen verfügbar ist. Viele Data-Center- oder reine Uplink-Switches verzichten bewusst auf PoE.

Wie erkenne ich, welchen PoE-Standard ein gebrauchter Switch unterstützt?

Die genaue PoE-Klasse steht im Datenblatt des jeweiligen Modells. Lassen Sie sich diese Angabe beim Gebrauchtkauf vom Anbieter zusätzlich schriftlich bestätigen.